Die Olympischen Winterspiele 2026 in Milano-Cortina bieten noch vor dem ersten Medaillenrennen im alpinen Skisport bereits reichlich Gesprächsstoff. Beim zweiten offiziellen Training der Männer-Abfahrt auf der legendären Stelvio-Piste in Bormio hat Italiens Mattia Casse mit der schnellsten Zeit für eine Überraschung gesorgt – während einer der großen Favoriten, Marco Odermatt, deutlich zurückblieb.
Italien dominiert, Favoriten dosieren
Im Sonnenschein von Bormio fuhr Casse die Bestzeit von 1:52,85 Minuten und setzte damit ein frühes Ausrufezeichen im Training vor dem Abfahrtsrennen am Samstag. Direkt hinter ihm folgten Florian Schieder und Giovanni Franzoni, die somit das starke italienische Trio anführten – ein Ergebnis, das vor heimischem Publikum für viel Selbstvertrauen sorgt.
Die anderen großen Namen waren im Vergleich langsamer: Marco Odermatt, der amtierende Weltcup-Gesamtführende und einer der Topfavoriten auf Gold in der Abfahrt, klassierte sich mit über 2,7 Sekunden Rückstand nur auf Platz 23. Viele der Spitzenathleten nutzten den Lauf weniger, um maximale Geschwindigkeit zu gehen, sondern vielmehr, Linien und Skioptionen zu testen.
Was die Zeiten wirklich sagen
Auch wenn Casse die schnellste Zeit setzte, muss dies nicht zwangsläufig auf das Rennen übertragen werden:
- Einige Favoriten, darunter Odermatt, fuhren verhalten, um kein unnötiges Risiko kurz vor dem Wettkampf einzugehen.
- Die Bedingungen auf der Stelvio können stark variieren: Die Piste wurde zwischen den Läufen bearbeitet und zeigte teils rauere Abschnitte, die das Tempo beeinflussten.
Insgesamt zeigt das Bild ein gemischtes Feld, in dem vor allem taktische Überlegungen im Vordergrund stehen. Die Zeiten im Training sind daher nur bedingt prädiktiv für Samstag – doch sie unterstreichen, dass die Italiener Selbstvertrauen aufbauen wollen, während die internationalen Topstars noch am Feinschliff arbeiten.
Was das für den Rennsamstag bedeutet
Am Samstag wird auf der Stelvio-Abfahrt die erste Alpine-Ski-Medaille der Spiele vergeben – ein Rennen, das schon allein wegen seines Anspruchs und seines Prestiges als Klassiker gilt. Die Ergebnisse der Trainingsläufe geben nur einen teilweisen Ausblick auf mögliche Sieger, doch sie zeigen:
- Italien hat Tiefe im Team, insbesondere bei den schnellen Bedingungen in Bormio.
- Marco Odermatt bleibt trotz eines ruhigen Trainingsläufs ein Hauptfavorit, vor allem nach seiner herausragenden Saisonleistung im Weltcup.
- Die Vorbereitung auf den Wettkampf und die Linienwahl am Stelvio werden entscheidend sein – vielleicht mehr als reine Geschwindigkeit im Training.
Blick auf die nächsten Tage
Ein drittes Training vor dem Rennen ist geplant, auch wenn einige Athleten es eher zur Feinabstimmung als für Rekordzeiten nutzen werden. Angesichts der hohen Anforderungen der Strecke und der Bedeutung des ersten alpinen Medaillenrennens dieser Spiele dürfte bereits jeder Trainingslauf mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt werden.










