Dieser Laptop braucht keine Steckdose – er läuft einfach mit Sonnenlicht

Ein Laptop, der sich entfaltet wie ein Buch – und ein zweiter, der Licht frisst

Auf dem Mobile World Congress 2025 sorgte Lenovo mit zwei experimentellen Laptops für Aufsehen. Der eine faltet sich zu einem hochformatigen Bildschirm, der andere will das Ladekabel überflüssig machen, indem er sich die Sonne zunutze macht.

Lenovo nutzte die Messe, um zu zeigen, dass das Design von Laptops längst nicht in Stein gemeißelt ist. Das Unternehmen präsentierte zwei Konzeptmaschinen, die verändern sollen, wie wir arbeiten und wie wir unsere Geräte mit Energie versorgen.

Das erste Gerät, der ThinkPad „Flip“, basiert auf einem 18,1 Zoll großen vertikalen OLED-Display. Voll ausgeklappt ähnelt es eher einem schlanken Desktop-Monitor als einem klassischen Laptop – perfekt für lange Dokumente, Programmcode oder Artikel, die man ohne ständiges Scrollen lesen möchte.

Dann beginnt der eigentliche Trick. Das Display lässt sich nach hinten biegen und erzeugt so zwei 13-Zoll-Bildschirme: einer zeigt zum Nutzer, der andere nach außen. Zugeklappt verwandelt sich das Gerät in ein 13-Zoll-Tablet. Lenovo versucht faktisch, Laptop, Dual-Screen-Workstation und Tablet in einem einzigen formwandelnden Gerät zu vereinen.

Fünf Modi für eine experimentelle Maschine

Obwohl als Konzept vermarktet, ist der ThinkPad Flip voll funktionsfähig. Im Inneren arbeitet ein Intel Core Ultra 7 Chip, kombiniert mit 32 GB LPDDR5X-Speicher. Zur Ausstattung gehören Thunderbolt-4-Anschlüsse und ein Fingerabdruckleser für sichere Anmeldungen. Es fühlt sich weniger wie eine Science-Fiction-Attrappe an und mehr wie ein Laptop, der mit etwas Feinschliff tatsächlich auf den Markt kommen könnte.

Lenovo listet fünf unterschiedliche Nutzungsmodi auf:

  • Clamshell-Modus: klassisches Laptop-Layout zum Tippen, Surfen und für Büroarbeiten.
  • Vertikal-Modus: ausgefahrenes 18,1-Zoll-Panel, ideal zum Bearbeiten langer Dokumente oder zum Anzeigen von Hochformat-Inhalten.
  • Teilen-Modus: je ein 13-Zoll-Bildschirm auf jeder Seite, sodass zwei Personen gleichzeitig Inhalte betrachten können.
  • Tablet-Modus: flach zusammengeklappt zu einem berührungsorientierten Gerät zum Skizzieren oder Annotieren.
  • Lese-Modus: eine ablenkungsfreiere Konfiguration, die den hohen Bildschirm wie eine digitale Seite behandelt.

Lenovo hat bereits früher mit faltbaren Laptops experimentiert – das ThinkPad X1 Fold ist bereits in begrenzten Stückzahlen erhältlich. Der Flip erweitert dieses Experiment, indem er höher und vielseitiger wird, was nahelegt, dass das Unternehmen faltbare Bildschirme nicht nur für eine kurzlebige Spielerei hält.

Der Yoga Solar PC: ein Laptop, der sich mit Sonnenlicht auflädt

Während der Flip mit der Form spielt, geht der zweite Prototyp etwas Grundlegenderes an: die Stromversorgung. Das Yoga Solar PC Concept versucht, die Nabelschnur zur Steckdose zu durchtrennen, indem es die Rückseite seines Bildschirms mit Solarzellen umhüllt.

Die gesamte Rückseite des Displays fungiert als photovoltaische Oberfläche. Lenovo nennt einen Wirkungsgrad von 24 Prozent – das ist hoch für ein tragbares, integriertes Solarmodul. Das Unternehmen behauptet, dass unter direkter Sonneneinstrahlung 20 Minuten Belichtung genug Energie speichern können, um etwa eine Stunde Video abzuspielen.

Laut Lenovo könnten bereits 20 Minuten in starker Sonne eine Stunde Videowiedergabe auf dem solar-unterstützten Laptop ermöglichen.

Diese Behauptung hängt natürlich stark von den Bedingungen ab: Breitengrad, Tageszeit, Temperatur und was man tatsächlich mit dem Gerät macht – all das verändert die Gleichung. Dennoch ist die Botschaft klar: Anstatt in Panik zu geraten, wenn das Batteriesymbol rot wird, neigt man den Bildschirm einfach zum Fenster und arbeitet weiter.

Wie realistisch ist Solar-Computing bei einem Laptop?

Eine Solarzelle auf einen Laptop zu setzen, ist keine völlig neue Idee. Robuste Geräte für Feldforscher, Wissenschaftler und das Militär nutzen externe Solarladegeräte seit Jahren. Der Unterschied liegt hier in Integration und Ambition: Lenovo möchte, dass das Panel Teil des alltäglichen Designs wird, nicht nur ein nachgerüstetes Zubehörteil.

Typische Laptop-Akkus speichern mehrere Dutzend Wattstunden Energie. Ein dünnes, hocheffizientes Panel auf dem Deckel kann ein Ladegerät für Power-User nicht vollständig ersetzen, aber es kann die Ladung während Pausen, Flügen oder Pendelfahrten auffüllen und die Batterieentladung bei leichten Arbeitslasten verlangsamen. Für Menschen, die hauptsächlich E-Mails bearbeiten, schreiben und Web-Apps nutzen, kann dieser Energiestrom durchaus wichtig sein.

Vorteile und Grenzen eines sonnengetriebenen Laptops

Der Hauptvorteil liegt auf der Hand: weniger Abhängigkeit von Wandladegeräten und Powerbanks. Wenn Lenovos Zahlen auch nur annähernd stimmen, könnte eine Mittagspause im Freien genug Ladung für ein Meeting oder eine Vorlesung am Nachmittag liefern.

Es gibt auch ökologische Aspekte. Jede Kilowattstunde, die aus Sonnenlicht gewonnen wird, muss nicht aus einem fossilen Stromnetz bezogen werden. Bei Millionen von Geräten könnten die Einsparungen wachsen, besonders in Ländern, wo Kohle immer noch die Stromerzeugung dominiert.

Solar-Unterstützung wird Laptops nicht vom Stromnetz befreien, aber sie könnte die nächste Aufladung hinauszögern und den Stromverbrauch verringern.

Es gibt Kompromisse. Die Rückseite des Displays muss frei bleiben, was beeinflussen könnte, wie man den Bildschirm positioniert. Nutzer könnten sich dabei ertappen, den Deckel mehr nach Licht als nach Ergonomie auszurichten. Eine glänzende Solaroberfläche könnte auch anfälliger für Kratzer sein als ein Standard-Gehäuse.

Und dann gibt es die schlichte Tatsache der Geografie. Ein Laptop, der unter mediterraner Sonne gedeiht, wird Schwierigkeiten haben, diese Zahlen im nordischen Winter zu erreichen, wo die Tage kürzer und das Licht schwächer ist. Die Technologie sollte als clevere Unterstützung betrachtet werden, nicht als vollständiger Ersatz für ein Netzteil.

Was das über die Zukunft des mobilen Computings aussagt

Die Kombination dieser beiden Lenovo-Konzepte sendet ein klares Signal. Laptops werden gleichzeitig in zwei Richtungen gezogen: hin zu flexiblen, formwandelnden Geräten und hin zu Energieautonomie. Ein Gerät passt sich an den Arbeitsablauf an, das andere versucht, sich selbst aufzuladen.

Beide Ideen überschneiden sich mit einem weiteren Trend: erweiterte und gemischte Realität. Da immer mehr Aufgaben von traditionellen Bildschirmen zu Headsets oder transparenten Displays wechseln, wird sich die Rolle des Laptops ändern. Ein Gerät, das als tragbarer Display-Hub oder als nahezu selbstladende Recheneinheit dient, ergibt in diesem Kontext zunehmend Sinn.

Wichtige Begriffe und was sie wirklich bedeuten

Für Leser, die mit dem Fachjargon weniger vertraut sind, stechen ein paar Ausdrücke in Lenovos Präsentation hervor. „Photovoltaisch“ bezieht sich einfach auf den Prozess, Licht mithilfe von Halbleitermaterialien in Elektrizität umzuwandeln. Wenn Licht auf diese Materialien trifft, werden Elektronen freigesetzt, wodurch Strom entsteht.

„Wirkungsgrad“ misst, wie viel des auf das Panel treffenden Sonnenlichts in nutzbare Elektrizität umgewandelt wird. Ein Panel mit 24 Prozent Effizienz wandelt fast ein Viertel der eintreffenden Lichtenergie um. Das ist hoch für ein tragbares Gerät, angesichts der Einschränkungen bei Dicke, Wärme und Ästhetik.

LPDDR5X-Speicher ist eine stromsparende Version von RAM, die für mobile Geräte und dünne Laptops entwickelt wurde. Er reduziert die Energie, die verschwendet wird, um Daten sofort zugänglich zu halten – was gut zu einem solar-unterstützten System passt: Jedes eingesparte Watt muss die Sonne nicht liefern.

Praxisszenarien: wie man das tatsächlich nutzen könnte

Stellen Sie sich einen Studenten auf einer Campuswiese vor: Laptop offen, Video-Vorlesung läuft, Notizen an der Seite. Normalerweise endet diese Szene damit, dass jemand ins Gebäude sprintet, sobald der Akku leer ist. Ein solar-gestütztes Gerät könnte gerade genug Laufzeit hinzufügen, um das Ende der Unterrichtsstunde zu erreichen.

Oder denken Sie an einen Fotografen, der Dateien von einer Kamera bei einem entlegenen Shooting überträgt. Ohne Steckdose in der Nähe könnte das eingebaute Panel eine zusätzliche Stunde erkaufen, um Bilder zu sichern und einige ausgewählte Aufnahmen über mobile Daten an einen Kunden zu senden – das nimmt etwas Stress aus dem Arbeitsablauf.

Unternehmen könnten solar-unterstützte Laptops auch mit energiebewusster Software kombinieren. Ein „Sonnen-Modus“ könnte automatisch den Bildschirm dimmen, Hintergrundaufgaben verlangsamen und die aus Licht gewonnene Energie strecken. Nutzer würden sehen, wie sich ihre Laptops in Echtzeit an die Bedingungen im Freien anpassen.

Es gibt auch Risiken. Menschen könnten anfangen, Geräte länger in direkter Sonne zu lassen, was Fragen zu Hitze, Akkulanglebigkeit und Panel-Degradation aufwirft. Designer müssen den Energiehunger mit thermischen Grenzen und langfristiger Zuverlässigkeit in Einklang bringen.

Dennoch hat Lenovo durch das Zeigen eines Laptops, der sich wie ein Buch biegt, und eines anderen, der Energie vom Himmel schlürft, ein vertrautes Objekt in unvertrautes Terrain geschoben. Das nächste Mal, wenn Ihr Ladegerät fehlt, könnte die Idee, Ihren Laptop einfach zur Sonne zu drehen, gar nicht mehr so abwegig erscheinen.